Montag, 20. August 2012

ich liebe dich.

"kann ich kurz zu dir kommen?"
"ja, na klar"
ich sitze im bus nachhause und mustere die welt, die hinter der fensterscheibe an mir vorbei fliegt. ich weiß auch nicht warum ich dir geschrieben habe. vielleicht, weil ich gerade an dich gedacht habe, oder weil ich weiß, dass deine haltestelle bald von der grausigen frauenstimme angesagt wird oder auch einfach nur weil ich nichts mit mir anzufangen weiß.
ich steige aus dem bus und ringe nach luft. mein kopf pocht, die schmerzen sind kaum auszuhalten. ich habe viel zu wenig getrunken und bin zu warm angezogen, ich hasse es haut zu zeigen, mich nicht hinter schals und jacken und pullis verstecken zu können. ich zünde meine zigarette an und nähere mich dem haus, in dem du wohnst. du sitzt auf der fensterbank und grinst mich an. ich deute auf die tür und du verschwindest um kurz darauf den summer zu drücken.
ich freue mich dich zu sehen aber es ist einfach viel zu warm um dich zu umarmen. das leuchten in deinen augen erinnert mich an früher, als noch alles besser war.
ich bin erschöpft, möchte nicht reden. wir setzen uns auf den balkon und trinken kaffee. nur für mich hast du sojamilch gekauft. du hasst sojamilch.
wir unterhalten uns, aber irgendwie kommt kein richtiges gespräch zu stande - wir reden aneinander vorbei, bis wir aufgeben und schweigend nebeneinander sitzen.
die sonne scheint immernoch aber das leuchten deiner augen suche ich vergeblich.
zum abschied küsst du mich auf die stirn und sagst: "vielleicht war das nur der wunsch das wir den satz ich liebe dich gleich definieren, ohne diesen verdammten satz gäbe es so viel weniger missverständnisse, elsa, was heißt ich liebe dich?"
erst als du das sagt fällt mir auf wie sehr du recht hast. ich liebe dich ist ein verdammter satz den sich irgendwer irgendwann einmal ausgedacht hat, was er aber bedeutet, weiß niemand so richtig, vermutlich für jeden etwas anderes. aber was bedeutet er eigentlich für mich?

Sonntag, 12. August 2012

wir sitzen in unserem stammlokal, auf dem sofa, auf dem erinnerungen an stunden voller reden und schweigen kleben. wir haben soeben unsere bestellung abgegeben. du bist enttäuscht, weil du dachtest, dass ich vielleicht auch etwas zu essen bestelle, jedoch bleibt es bei meinem frischen minztee. ich drehe mir eine zigarette während du schweigend an deine nagellack herumpulst. ich kenne das schon von dir, ich weiß genau was das bedeutet, als du meinen blick bemerkst, wirkst du ertappt und versuchst dir ein lächen auf die lippen zu quälen, was bitterlich misslingt. "willst du auch eine?" höre ich mich fragen. du nickst und ich drehe eine weitere zigarette. nahezu synchron zünden wir sie an und qualmen um die wette. ich bin nervös, ich weiß nicht was los ist, dass es dir nicht gut geht sieht man dir an der nasenspitze an, du konntest deine gefühle noch nie gut verbergen, wir sind soetwas wie beste freundinnen, dennoch weiß ich nicht ob und wenn ja wie ich dich auf dein problem ansprechen sollte. verlegen rühre ich in meinem tee herum und gucke angestrengt auf die erschütterte oberfläche, als ob diese mir sagen könnte, was ich tun kann. du siehst mitgenommen aus, unter deinen augen zeichnen sich die augenringe klar ab, deine augen wirken sowieso seltsam leer und dein mund ist ganz trocken. du leckst dir deine lippen vergeblich und räusperst dich leise, kaum hörbar. wir sehen uns fast jeden tag, dennoch bist du mir in diesem moment sehr fremd. du holst luft um darauf etwas zu sagen doch im gleichen moment scheinst du dich umzuentscheiden. ich drücke meine zigarette in den aschenbecher und entschließe mich einfach gerade heraus zu fragen was denn los sei. kurz darauf kullern dicke tränen über deine zarten rosigen wangen. hastig wischt du sie mit deinen knochigen fingern weg. ich habe dich immer darum benieden, du kannst soviel essen wie du willst und hast trotzdem eine zierliche figur. in diesem moment wird mir alles klar. wir kennen uns seit vielen jahren, diesen verdammten blick, der mir so unheimlich vorkommt, habe ich schonmal gesehen. als deine mutter, wegen ihrer krebserkrankung ins koma fiel. ich würde so gerne mit dir weinen, ich mag deine mutter sehr, doch ich kann nicht, ich bin wie gelähmt, die ganze situation scheint so surreal. wie ein film, der vor meinen augen abläuft, wie eine detailgetreue erinnerung an damals, doch sie ist es nicht. deine mutter ist im krankenhaus. wir wissen beide, dass sie diesen weiteren rückfall, diesen weiteren ausbruch der krankheit nicht überleben wird. du sagst, die ärzte geben ihr sechs jahre, aber wir beide wissen, wie schon damals, dass es auch morgen sein kann.
ich fühle mich grausam, weil ich weiß, dass ich dir nicht gerecht werden kann. ich kann nicht die beste freundin sein, die ich damals war, als die situation ählich schien. ich würde so gerne. all meine probleme kommen mir lächerlich  vor, auch, dass ich dich sooft benieden habe, wegen so gut wie allem.
heute nacht als wir nebeneinander in deinem bett lagen und du schon schliefst habe ich geweint. für dich. ich habe die welt verflucht.

heute ist der tag, an dem sich meine eltern trennen. heute ist der tag an dem k. sich wieder geschnitten hat, heute ist der tag, an dem ich nicht zu jonah laufen werde, heute ist der tag an dem ich allein bin.
heute ist ein beschissener tag..

Montag, 6. August 2012

dich in dir wiederfinden.

"wie geht es dir?"
"ich lebe"
die pausen in unserem gespräch ziehen sich lang, wie ich es früher mit kagummi gemacht habe.
du hast mir gefehlt und auf irgendeine art und weise tutst du es jetzt noch, da die person, die nun vor mir sitzt eine komplett andere ist, als die, die ich früher meinen besten freund genannt habe. versteh mich bitte nicht falsch, ich mag dich wie du jetzt bist sehr gerne, trotzdem trauere ich deinen lachenden augen, deinem alten, kindlichem ich, nach. du bist so ernst und erwachsen, so kenne ich dich kaum.
wir sitzen in deinem zimmer, der regen prasselt gegen die fenster, als würde er unsere bedrückte stimmung untermalen wollen. du beginnst von deinem urlaub zu erzählen, ich merke dennoch, das es dir kein bedürfnis ist, mit mir darüber zu reden, sonder eher einfach so dahin gesagt ist, damit die leere verschwindet. mitten im satz, stoppst du abrupt und stellst mir eine frage: "was machen wir hier? das ist doch alles scheiße, so sollte das nicht sein. es ist doch jetzt alles wieder gut zwischen uns? so wie früher."   einerseits freue ich mich, das aus deinem mund zu hören, andererseits macht es mir angst. ich bin müde, ich habe gerade einmal 2 stunden geschlafen letzte nacht. "ich brauche dich jetzt" flüsterst du ohne mich anzusehen. "ich brauchte dich die ganze zeit, du bist die einzige, die mich zum lachen bringt, die einzige bei der ich ich sein kann, die einzige, die das alles versteht" fügst du hinzu. ich muss schlucken. es macht mich glücklich sowas zu hören, aber war das nicht etwas zu dick aufgetragen? ich bin dir ein paar schritte hinterher, ich komme nicht mit, ich möchte ja auch das alles wieder gut wird zwischen uns, wir uns unterhalten, sowohl tiefgründig als auch über nichtigkeiten, ich will ja auch dass wir wieder gemeinsam all die dinge tun  können die ich so vermisst habe aber es ist so viel passiert, so viel zeit vergangen, dass ich immernoch probleme habe dich in dir wiederzufinden. du wirfst mir einen erwartungsvollen blick zu. "wir haben soviel nachzuholen" sagst du. und dann, sprichst du das an, was ich am wenigsten erwartet habe; "wann hast du aufgehört zu essen?" ich fühle mich überrumpelt und stottere herum, du bemerkst meine verlegenheit und ziehst mich auf deinen schoß, beginnst zu erzählen, aus der zeit, in der wir uns nicht gesehen haben, von deiner depression, erklärst mir die bilder, die dein zimmer schmücken und während deiner depression entstanden sind und drehst mir eine zigarette. durch  dein fenster scheint der mond. es ist spät geworden. ich fühle mich besser, ich verstehe jetzt, wer du bist. und vorallem warum ich rauche die zigarette, dann beginne ich zu erzählen....