Montag, 17. Dezember 2012

sonnenkind

"es gibt tage an denen sind meine schatten so viel größer als ich, das sie mir egal wie hoch ich springe, egal wie schnell ich laufe, die sonne wegnehmen. sie sind schneller weil sie überall sind, sie sind so groß." auszug eines tagebucheintrags vom 26.07.2001

mir war nicht bewusst, das ich schon damals so war. 
"nun, wie stellen sie das vor? vielleicht ist es an der zeit für sie sich mal mit ihren ängsten, wünschen und träumen zu beschäftigen. ich würde sie bitten bis zum nächsten mal aufzuschreiben, was ihnen angst macht, wovon sie träumen und was sie sich wünschen, sie können das als eine art vorhaben für das neue jahr sehen."

und im augenblick sitze ich hier vor meinem leeren blatt, die aufgabe klang leichter als sie ist.
Ich verstehe mich doch momentan selbst nicht mehr, wie soll ich dann jemandem anders die möglichkeit geben meine kopfwelt nachzuvollziehen.
die menschen erwarten von mir das ich krank bin weil es auf dem papier steht, es wird erwartet das ich nichts esse, immerhin habe ich ja eine essstörung, es wird erwartet das ich schlecht gelaunt bin, immerhin habe ich ja depressionen. ich bin nicht mehr als eine hässliche krankheit. niemand sieht mich mehr als mensch, ich bin diese ekelerregende krankheit, die egal wohin sie geht schatten, mitleid und traurigkeit auslöst. ist dieses leben noch lebenswert?
ich bin es leid, manchmal wäre ich glücklicher, würde mir nicht permanent das gefühl übermittelt werden, dass es nichts beachtenswertes mehr an mir gäbe außer meine Probleme mit mir selber.

Sonntag, 9. Dezember 2012

lebenszeichen

ich wollte mich nur einmal melden, falls das hier irgendwer liest und sich gewundert hat, ja ich lebe noch. ich habe etliche male das bedürfnis gehabt hier etwas nieder zu schreiben, doch die worte gehorchten mir nicht, ich habe es nicht geschafft einen einzigen satz zu formulieren, nun, der erneute versuch etwas einigermaßen sinnvolles, nachvollziehbares zu schreiben.

die letzten tage und wochen waren anstrengend. meine therapeutin möchte, dass ich in eine klinik oder eine betreute wohngruppe gehe, ich weiß nicht was ich davon halten soll. meine depressionen sind schlimmer als jemals zuvor, ich wache mit tränen in den augen auf, habe grausame albträume, die kleinsten kleinigkeiten werfen mich aus der bahn, meine augen sind so schwer, ich möchte nur noch schlafen, ich habe das gefühl nicht in meinem körper zu stecken, ich bin ein stiller, machtloser beobachter meines eigenen lebens, alles tut weh und ich bin kaputt, so unendlich kaputt. ich gehe nicht mehr in die schule, ich habe ein stück weit aufgegeben, mich aufgegeben. die suche nach dem sinn hat aufgehört, ich fühle mich wie ein reh, ich laufe über die autobahn, laufe um zu überleben doch auf dem mittelfahrstreifen verlässt mich der mut, die lichter sind zu hell, die autos zu schnell und zu laut, zum umdrehen ist es zu spät, zum weiterrennen fehlt mir der mut, also stehe ich dort auf dem mittelstreifen und warte darauf, das jemand anders mir die entscheidung abnimmt, das ein autofahrer mich ubersieht und die scheinwerfer zu nahe kommen.

ich habe jonah seit 2 wochen nicht gesehen, ich will ihn bei mir haben aber ich tue ihm weh und das will ich nicht. ich mache mich kaputt und er soll nicht auch noch daran zerbrechen. wir wissen beide, das er am liebsten meine hand halten würde, doch ich liebe ihn zu sehr um ihm das anzutun.
am freitag habe ich mich seit langem einmal wieder aus meinem bett getraut, die frische luft in meinen lungen hat mir gefehlt, ich wollte sie einsaugen und nicht wieder gehen lassen, ein stück von ihr werden. ich traf meine freunde und wir besuchten eine der kuriosesten partys auf der ich jemals gewesen bin. eine wg party, vielleicht hat schon einmal jemand von dieser aktion gehört, das gebäude, die leer stehen, jedoch zu schade sind um abgerissen zu werden, wie beispielsweise schulen oder bibliotheken, von wgs für wenig geld angemietet werden können, diese verpflichten sich damit, das gebäude zu beschützen und im gegenzug dafür müssen sie kaum miete bezahlen. lange rede kurzer sinn, die party fand in einer ehemaligen grundschule statt, in der ein bekannter mit fünf mitbewohnern residiert. unglaublich viel platz, unglaublich viele leute, unglaublich laute musik. ich habe getanzt und mich frei gefühlt, ein junger mann hielt mir nach vielen stunden in denen ich mich im bass verloren hatte, eine zigarette vor die nase und sah mich fragend an, ich folgte ihm, wir setzten uns in eine ecke und qualmten um die wette. er hatte dunkeles haar, einen dichten bart in seinem drahtigen gesicht, seine arme waren von tattoos bedeckt, eines gefiel mir ganz besonders gut, eine leichtbekleidete sehr frau, auf dem ast eines baumes eine zigarette im mundwinkel. er erzählte mir, das dieses tattoo eine abbildung einer fotografie ist, die junge frau soll seine schwester darstellen, sie ist vor einem jahr an leukämie gestorben. desweiteren erzählte er, das er nun humanmedizin studiert, damit nicht noch mehr menschen, einen so grausamen tod sterben müssen. ich glaube er hatte tränen in den augen. ich hätte mich gern länger mit ihm unterhalten, für ihn war ich ein unbeschriebenes blatt, einfach irgendein mädchen, nicht diejenige, die sich selber einen so grausamen tod wünschte. doch meine beste freundin unterbrach unser gespräch, zu allem übel habe ich vergessen wo ich den zettel mit seiner telefonnummer gelassen habe...

den samstag verbrachte ich verkatert in k.'s bett.

mit leichten fingern streichst du mir über die nackte schulter, ich spüre deine finger kaum, aber es beruhigt mich zu wissen das sie da sind. noch lebe ich, denke ich und schließe die augen. "k., ich will nicht das du gehst" höre ich mich sagen. einen moment lang fühlt es sich so an, als hätte ich mich damals für dich und gegen jonah entschieden, als wären wir ein pärchen und ich weiß nicht was ich bei diesem gedanken fühlen soll. du seuftzt. "ich will dich auch nicht alleine lassen elsa" "Dann bleib doch eifach in der stadt" ich weiß, dass das nicht geht, aber ich will es sagen und von dir hören, dass es nicht geht. "komm doch einfach mit" sagst du und grinst mich an. du stehst ruckartig auf und wirfst mir einen pulli zu. "ich will dir was zeigen". du ziehst mich hinter dir her nach draußen. es schneit.