Sonntag, 14. Oktober 2012

alkohol

jonah und mein bester freund stehen noch an der bushaltestelle zu der sie mich gebracht haben als mein bus um die straßenecke biegt, in meinen ohren dröhnt die musik, jonah hat mir seinen ipod gegeben. ich fahre fast zwanzig minuten und freue mich auf dich, auf uns, auf einen abend wie früher unter freunden, mal auf andere gedanken kommen. ich sehe dich schon von weitem, du wippst mit den beinen, ein zigarettenstummel in der hand, die leggins hat ein paar löcher an den knien, wie immer bei dir. als du mitbekommst das ich dich beobachte musst du lachen. ich liebe dein lachen, wenn du lachst ist alles gut. du bist mehr als nur meine beste freundin. du verstehst das alles. wenn du lachst ist wirklich alles gut. du hast mir ein bier mitgebracht, wir laufen durch die straßen auf dem weg zu aaron und erzählen was die letzte zeit so los war. wir haben uns seit einigen tagen nicht mehr "richtig" gesehen, unser letztes gespräch ging einfach so tief, das wir luft brauchten, platz zum atmen, nachdenken. du trinkst zuviel. viel zuviel. mindestens vier tage die woche bist du betrunken. mindestens dreimal hast du einen filmriss, mindestens zweimal rufst du am nächsten morgen weinend an, mindestens einmal bist du am nächsten tag noch betrunken und das ein oder andere mal trinkst du soviel, dass du dich übergibst. aber jedes einzige mal machst du etwas, was du am nächsten tag bereust. ich erinnere mich an etliche situationen in denen ich dich davon abhalten musste mit komischen männern nachhause zu gehen, an etliche male an denen du so betrunken warst, dass du geweint hast und dachtest du müsstest sterben, an etliche male in denen ich dich ins bett gebracht habe, an etliche male an denen ich deine haare gehalten habe, an etliche male an denen du pulver und pillen in den händen hielst und meintest du könntest mit einem regenschirm fliegen wie mary poppins wenn ich dir einen kakao mache und etwas von diesem zauberstaub hinein tun würde. ich habe immer versucht dich zu beschützen. aber es ist so schwer. es tut so weh dich in dein unglück rennen zu sehen. bei aaron angekommen rauchen wir erstmal einen joint und hören klassikmusik. ich fühle mich gut. wir gehen später noch zu einem geburtstag einer alten freundin. ich habe dich leute die dort sein werden ewig nicht gesehen. es wird bestimmt nett. wir trinken whiskey und rum, die zeit verfliegt, wir lachen viel und machen nudeln, rauchen ein, zwei weitere joints und liegen auf dem teppich. du trinkst und trinkst und trinkst. hockst dich auf den boden weil du magenkrämpfe kriegst, trinkst weiter, liegst auf dem boden, willst weiter. zu dem geburtstag. ich will dich so nicht sehen. ich will das alles nicht. aaron und ich gucken uns hilflos an als du versuchst deine schminke aufzubessern. es reicht. "Ich finde es ist nicht so eine gute idee jetzt noch loszugehen" sage ich "wir haben etwas anderes abgemacht" "wie wieso?" "komm, du hast so bauchschmerzen, wir werden schon nichts verpassen, außerdem gehen wir doch schon morgen wieder auf einen geburtstag" "elsa ich hab kein bock zu schlafen, wo liegt dein problem?" lallst du wütend zurück. "huh?" machst du während du dich auf einen stull fallen lässt. "ich will das nicht, ich will nicht das du kaputt gehst, komm schon, dieser eine verpasste abend ist kein weltuntergang, du hast bauchschmerzen, du bist schon wieder besoffen, bittebitte leg dich einfach in aarons bett", wütend stehst du auf, fegst ein paar gläser vom tisch und lässt die tür hinter dir knallen. "aaron gehst du bitte nach ihr gucken?" ich räume die scherben weg und scheide mich an der hand. dann ziehe ich meine jacke an und gehe raus. ihr steht an der ecke und diskutiert, du kannst kaum aufrecht stehen. es ist kalt und das warme rote blut tropft auf die nassen straßen. du torkelst davon. eine straßenecke weiter findet der geburstag statt. aaron kommt zu mir und bringt mich zu jonah und meinem besten wir reden viel auf dem weg dahin. doch die worte sind genau so leer, wie die straßen. jonah nimmt mich in den arm und ich wünschte nur, ich könnte dir irgendwie helfen.

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